Mason & Hamlin, Boston - Haverhill

Im Jahr 1854 gründeten Henry Mason und Emmons Hamlin, die Mason & Hamlin Company in der Piano Row in Boston. Henry Mason war Pianist. Sein Bruder, William, zählte zu den führenden klassischen Pianisten und Komponisten Amerikas. Ihr Vater war der Komponist und Pädagoge Lowell Mason. Emmons Hamlin war ein hervorragender Mechaniker und Erfinder. Er erfand eine bestimmte Art, Orgelpfeifen zum Klingen zu bringen. Emmons Hamlin und Henry Mason gründeten ihre Gesellschaft zu dem Zweck, ein neues Musikinstrument herzustellen, das sie "Orgelharmonium" nannten. Vom Orgelharmonium ging die Gesellschaft über zur amerikanischen Kabinettsorgel, einem Produkt, das den ersten Preis bei der Pariser Ausstellung von 1867 gewinnen sollte. Es dauerte nicht lange, und die Gesellschaft Mason & Hamlin hatte weltweites Ansehen wegen ihrer hervorragenden Leistungen gewonnen.





Im Jahr 1881 beschloss die Gesellschaft, ihr Geschäft zu erweitern und Klaviere herzustellen. Dafür wurden hervorragende Konstrukteure verpflichtet. Unter diesen war Richard W. Gertz, ein unabhängiger Klavierentwickler aus Deutschland, der viele Innovationen in den Klavierbau einbrachte. Er patentierte insbesondere den Spannungsresonator, ein Gerät, das die Krone des Resonanzbodens für die Lebensdauer des Pianos zu erhalten vermochte. Diese Einrichtung wurde ab 1900 in alle Mason & Hamlin Flügeln und Klaviere eingebaut. Gertz wurde 1903 zum kaufmännischen Geschäftsführer des Unternehmens ernannt. 1906 stieg er erneut auf und wurde  dessen Präsident. Aufgrund der Innovationskraft, der Verwendung von besten Rohstoffen und der hochwertigen Handwerksarbeit wurden die Klaviere und Flügel von Mason & Hamlin in weiten Kreisen als Instrumente der höchsten Kategorie anerkannt.





Um die Jahrhundertwende war das Goldene Zeitalter des Pianos voll im Gang, und die berühmtesten Künstler schlossen sich mit den Klavierherstellern zusammen. Mason & Hamlin hatte dabei seinen Platz in der ersten Reihe. Auf Flügeln von Mason & Hamlin gaben die großen Virtuosen regelmässig ihre Vorstellungen. Unter diesen war Sergei Rachmaninov, dessen 1924 entstandene Aufnahme seines Zweiten Klavierkonzertes auf einem Flügel von Mason and Hamlin eingespielt wurde. Ebenso Harold Bauer, der für seine großen technischen Fertigkeiten und seine bemerkenswerte Gabe der Interpretation auf dem Klavier bekannt war. Seine bevorzugte Klaviermarke war Mason & Hamlin: "Die Pianos von Mason & Hamlin", schrieb er, "sind das vollkommenste Beispiel für die Kunst des Klavierbauers. Es sind Instrumente von höchster Schönheit, die schönsten, die ich kenne." Bauer war mit seiner Liebe zu den Pianos von Mason & Hamlin nicht alleine. Maurice Ravel sagte über diese: "Während sich das Pianoforte von Mason & Hamlin alle Qualitäten eines Perkussionsionsinstruments bewahrt hat, so dient es durch seine ausgedehnte dynamische Bandbreite ebenso wie durch seine Tonqualität in hervorragender Weise dem Konzept des Komponisten. Meiner Meinung nach ist das Mason & Hamlin Piano ein echtes Kunstwerk."

Die Archive von Mason & Hamlin enthalten viele Briefe von Yehudi Menuhin, die die Tugenden seiner Mason & Hamlin Klaviere rühmen: "Unter allen Pianos gibt es keines, das an das von Mason & Hamlin herankommt, sei es an dessen Schönheit und Anmut im Ton, oder an seine Sanftheit und Weichheit." Pablo Casals sagte mal über Mason & Hamlin: "Ich bin von der Überlegenheit Ihrer Instrumente überzeugt, und zwar ebenso hinsichtlich ihrer rein musikalischen Tonqualität wie hinsichtlich ihres künstlerischen Appeals." Mit Casals hat lange Zeit Jacques Thibaud zusammengearbeitet, der über Mason & Hamlin sagte: "Ich kenne keine anderen Pianos von solch schöner Klangfülle. Die Qualitäten der Mason & Hamlin Pianos entsprechen denen meiner geliebten Stradivari."

Von 1904 bis 1924 hielt die Cable Piano Company aus Chicago, bereits Eigentümer von Conover, einen Anteil an Mason & Hamlin. Die Cable Piano Company wurde 1924 von American Piano Company,East Rochester übernommen. Diese Gruppe beinhaltete bereits u. a.  Chickering & Sons und Wm. Knabe & Co.. Mason & Hamlin wurde bei American Piano die Rolle der "Künstler" Marke zugedacht. Während der Weltwirtschaftskrise ab 1929 ging der Verkauf von Klavieren in Amerika stark zurück. American Piano Company ging pleite und wurde  1932 von Aeolian American Corporation aufgekauft.

Während des 2. Weltkrieges ab 1942 kam die Piano-Fertigung in den USA  komplett zum Erliegen. Stattdessen wurden Holzkisten und Gleitsegler in den Klavierfabriken produziert. Nach dem Krieg  nahm Aeolian die Produktion in East Rochester wieder auf und fusionierte 1957 mit Winter & Co aus der Bronx. Die "Invasion" aus Fernost in den 1980er Jahre trieb Aeolian in die Pleite. 1985 kaufte Sohmer & Co. die Markenrechte und Aktiva von Mason & Hamlin von der Citicorp, dem Hauptgläubiger von Aeolian/Winter. Sohmer plante die Produktion beider Divisionen mit den bestehenden Modellen wiederaufzunehmen. Es kam nicht dazu. In Zeichen der Leveraged Buy Outs-Welle der 1980er Jahre, kaufte eine Gruppe von Investoren bzw. Corporate Raiders um Robert McNeil 1986 Sohmer & Co. Die Produktion sollte nach Elysburg, Pennsylvania verlagert werden. Dazu  kam es auch nicht, da der Klaviermarkt inzwischen extrem schwierig geworden war. Die Konkurrenz aus Korea und Japan war erdrückend und die gesamte US-Klavierindustrie dabei unterzugehen. 1989 kaufte Bernard Greer die Sohmer Gruppe, die er mit seiner Firma, Falcone Piano, Haverhill fusionierte. 1995 musste auch Bernard Greer die Waffen strecken. Der ständige Wechsel von Eigentümern führte dazu, dass die Qualität, das Ansehen und der Ruhm von Mason & Hamlin in dieser bewegten Zeit sehr stark zurückgingen.




Mason & Hamlin wurde 1996 von Gary und Kirk Burgett, den Eigentümern von PianoDisc aus der Konkursmasse von Falcone/Sohmer & Co. gekauft. Sie machten sich daran, Mason & Hamlin wieder zu seiner früheren Bedeutung zu bringen, und in einem ersten Schritt benutzten sie hochentwickelte Computer-Softwareprogramme, um die Maßstabentwürfe, Spannvorrichtungen, Einstellvorrichtungen und Schablonen der ursprünglichen Mason & Hamlin Company zu archivieren. Sie investierten grosse Summen in computergesteuerte High-Tech-Maschinen und Ausrüstung, um die Effizienz und Produktivität in der Fabrik zu erhöhen. Daraufhin fanden sie erfahrene Handwerker und begannen damit, die neuen Mason & Hamlin Pianos herzustellen. Dadurch, dass viele wichtige original Mason & Hamlin Merkmale und Designs einschließlich des Spannungsresonator beibehalten und viele technologische Fortschritte integriert wurden, die während der letzten paar Jahrzehnte im Klavierbau gemacht wurden, brachte die Produktion der neuen Mason & Hamlin Pianos die Kritiker zum Schwärmen. In nur wenigen Jahren sind die Mason & Hamlin Pianos auf die Konzertbühne, in die prestigeträchtigen Musikschulen, Aufnahmestudien, Konservatorien und in die Wohnzimmer auf der ganzen Welt zurückgekehrt.