Ein Klavier muss regelmässig gestimmt werden

Ein Klavier bzw. Flügel ist trotz seines robusten Äußeren ein äusserst empfindliches Musikinstrument, das auf Veränderungen der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit stark reagiert. Das Holz im Inneren und Äusseren nimmt im Sommer die Feuchtigkeit auf und dehnt sich aus. Im Winter ist die Luft trockener, daher gibt das Instrument diese Feuchtigkeit ab und schwindet. Die Saiten, die aus hochfestem Stahldraht (bei Bässen mit Kupferummäntelung) hergestellt sind reagieren besonders auf Temperaturunterschiede. Sie dehnen sich bei Wärme aus und kontrahieren bei Kälte. Dabei verändert sich die Spannung, welche beim Stimmen wieder genau eingestellt werden.

Auch ohne Temperaturschwankungen dehnen sich die Saiten mit der Zeit und lassen allmählich die Spannung sinken. Gerade fabrikneue Instrumente tendieren dazu, daher sollte besonders in den ersten Jahren das Intervall einer jährlichen Stimmung nicht überschritten werden. Einfach gesagt, ist es am Besten, ein Klavier so oft wie möglich zu stimmen. Konzertflügel werden vor wichtigen Auftritte mehrmals am Tag gestimmt. Sehr oft auch während der Pausen legt der Konzerttechniker Hand an das Instrument, um den Maestro zu befriedigen. Privatgenutzte Instrumente müssen mindestens einmal im Jahr gestimmt werden. Klavierlehrer, Schulen und Konservatorien müssen bei starker Beanspruchung dementsprechend ihre Instrumente öfters stimmen lassen.

Sollte das Instrument aus bestimmten Gründen schon einen längeren Zeitraum nicht mehr gestimmt worden sein, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Spannung der Saiten und somit die Tonhöhe so stark abgesunken ist, dass mehrmaliges Stimmen nötig ist, um wieder die richtige Tonhöhe des Kammertons (440Hz) einzustellen. Das kann aus physikalischen Gründen nicht bei einer einzigen Stimmung erfolgen. Auch nach einem Transport bzw. Umzug muss sich das Instrument an die neuen klimatischen Gegebenheiten anpassen. Erst nach einer mehrwöchige Akklimatisationsphase sollte sinnvollerweise das Klavier gestimmt werden.

Der Beruf des Klavierstimmers ist in Deutschland kein geschützter Handwerksberuf mit Lehre. Jeder, der sich dazu berufen fühlt, darf sich auch ohne irgendeine berufliche Ausbildung Klavierstimmer nennen und an den Instrumenten arbeiten. Ein absolutes Gehör zu haben oder ein guter Musiker oder Klavierlehrer zu sein befähigt noch lange nicht dazu, auch gut stimmen zu können. Die Technik des Klavierstimmens - und dabei ist das genaue Hören nur ein Teil der Arbeit - ist eine Kunst, die nur durch viel Übung und Ausdauer erlernt werden kann und nur durch stetiges Praktizieren auf einem hohen Niveau gehalten werden kann. Daher muß unbedingt darauf geachtet werden, dass der "Klavierstimmer", dem man sein Instrument anvertraut, auch ein ausgebildeter Fachmann ist. Ein Klavierbauer zum Beispiel erlernt das Stimmen in seiner Ausbildung und es ist Teil seiner täglichen Arbeit.