Die Klavierstimmung und der Klavierstimmer

Klaviere und Flügel müssen regelmäßig gestimmt werden. Ist das Klavier oder der Flügel lange Zeit nicht gestimmt worden, muss das Instrument mehrere Male gestimmt werden, um den richtigen Klang wieder zu erzielen. Bei professionellen Einsätzen, vor jedem Konzert oder einer Musikaufnahme muss das Instrument neu gestimmt werden, manchmal auch während der Konzertpausen. Stimmen bedeutet, die Spannung der Saiten so einzustellen, dass sie klanglich zueinander passen. Das Klavierstimmen ist nicht nur eine technische/mechanische Leistung, sondern auch eine Kunst. Instrumente können – je nach Bedarf – sehr unterschiedlich gestimmt werden. Wie lange die jeweilige Stimmung hält, ist von der Konstruktion und dem Zustand des Klaviers sowie der Qualifikation des Klavierstimmers abhängig. Eine Klavierstimmung erfolgt nach dem so genannten wohltemperierten Tonsystem unter Berücksichtigung von einerseits der Richtigkeit der Töne und andererseits ihrem Klang. Der Klavierstimmer arbeitet mit Stimmgabel oder Stimmgerät, Stimmkeilen aus Gummi, Filz oder lederüberzogenem Holz zum Abdämpfen mitklingender Saiten und einem Stimmhammer. Eine von Laien nicht bedachte Schwierigkeit beim Klavierstimmen ist das so genannte „Setzen“ der Stimmwirbel, das großer Feinfühligkeit und entsprechender Übung bedarf: Wenn die korrekte Position des Stimmwirbels mittels einer präzisen Drehbewegung erreicht wird, hält die Stimmung besser.





Es gibt zwei Arten der Klavierstimmung. Mit dem Stimmgerät und nach Gehör. Viele Klavierstimmer arbeiten neuerdings mit einem Stimmgerät. Die Klavierstimmung erfolgt hierbei nach einer mathematischen Berechnung der Schwingungsteilung bei den einzelnen Oktaven und erzeugt dadurch einen sauberen, harmonisch aufeinander abgestimmten Klang des gesamten Klaviers. Der Klavierstimmer, der nach Gehör arbeitet, hat im Gegensatz dazu ein Expertenwissen, das selten zu finden ist. Das Stimmen nach Gehör wird auch intuitives Stimmen genannt, weil keine analytische Berechnung dazu erforderlich ist, sondern die Erfahrung des Klavierstimmers und dessen Gefühl für Inharmonizität. Die Klavierstimmung nach Gehör erfordert sehr viel Erfahrung und gilt als Kunst, die ihren Preis hat und heute meist nur noch von Konzertpianisten in Anspruch genommen wird. Die Ausbildung zum Klavierbauer dauert in Deutschland dreieinhalb Jahre. Der Beruf des Klavierstimmers ist in der EU nicht überall ein Ausbildungsberuf, daher nicht geschützt. Das Erlernen des Klavierstimmens ist aber Bestandteil der Ausbildung zum Klavier- und Cembalobauer. Die führende Schule in Europa ist die Oscar Walker Schule in Ludwigsburg. Früher war das Erlernen des Klavierstimmens häufig eine Berufsausbildung für sehbehinderte Menschen.