Tinnitus und Klavier - Gehörschutz empfehlenswert

Der Gehörverlust oder eine Hörbeeinträchtigung kann z. B. entstehen, wenn man hohen Lautstärken zu häufig ausgesetzt ist.  Man verliert das Gehör meistens zuerst im unteren oder im oberen Frequenzbereich. Das wird oft von einem Tinnitus (Pfeifen oder Klingeln im Ohr) begleitet. Diejenigen, die das Gehör bei den niedrigen Frequenzen verlieren, neigen zu einem tiefen, tosenden oder pochenden Tinnitus, und diejenigen, die das Gehör bei den hohen Frequenzen verlieren, neigen dazu, ein hochtönendes Pfeifen zu hören. Es besteht jedoch eine Tendenz, daß Gehörverluste bei Pianisten und Klavierstimmern, sowie bei Mitgliedern von Rockbands bzw Musikgruppen und Menschen, die ständig sehr laute Musik hören, viel verbreiteter sind als allgemein vermutet ist. Ein Tinnitus ist im Grunde bei allen Menschen die ganze Zeit vorhanden, aber bei den meisten Menschen so leise, daß sie ihn, außer in schalldichten Räumen, nicht hören können. Möglicherweise wird der Tinnitus erst durch das Klavierspielen "besser" wahrgenommen.




Für diejenigen, die keinen hörbaren Tinnitus haben, besteht innerhalb vernünftiger Grenzen keine Notwendigkeit, "normale" laute Musik zu meiden. Das Klavierüben dürfte bis zu einem Alter von ca. 25 Jahren mit jeder spielbaren Lautstärke unschädlich sein. Diejenigen, die bereits einen Tinnitus haben, sollten auf jeden Fall laute Klaviermusik meiden. Ab 40 Jahren empfiehlt es sich während des Klavierübens einen Gehörschutz zu tragen. Gehörschutz ist zwar für die meisten Klavierspieler eine komplett abscheuliche Vorstellung, aber wenn man die mögichen Konsequenzen bedenkt, würde es sich dennoch lohnen. Als Vorteil des Gehörschutz kann angeführt werden, dass bei Klavieren geringerer Qualität das Benutzen eines Gehörschutzes dazu führt, daß der Klang eines höherwertigen Instruments simuliert wird, weil die unerwünschten oft metallischen hohen Obertöne und zusätzliche mechanische Geräusche der Klaviatur herausgefiltert bzw. gedämpft werden.

Wie schädigt der Klavierklang das menschliche Gehör? Sicherlich sind häufige laute Töne mit vielen Noten am schädlichsten. Deshalb ist es wahrscheinlich kein Zufall, daß Beethoven vorzeitig taub wurde. Das Instrument selbst spielt auch eine sehr grosse Rolle. Günstige Klaviere, die keinen ausreichenden räumlichen Klang erzeugen, sind wahrscheinlich am wenigsten schädlich. Große Flügel, die die Energie sehr effizient auf die Saiten übertragen und den Ton lange aushalten, verursachen wahrscheinlich nicht so große Schäden wie Klaviere mittlerer Qualität, bei denen im Moment des ersten Schlags beim Auftreffen des Hammers auf den Saiten eine besonders große Energiemenge übertragen wird. Bevor man einen Gehörschutz tragen muss, sollte man erst alles tun, um die Lautstärke zu verringern.  Der Raum kann schallarm gemacht werden z.B. durch ausgelegte dicke Teppiche auf harten, gefliesten Böden, geschlossenen Flügeldeckel und im allgemeinen auch dadurch, dass  laute Passagen leise geübt werden.