Samick verstärkt seinen Einfluß bei Steinway

Am 5. November 2009 schockte Steinway die Klavierwelt mit der Nachricht, dass Samick, der Massenhersteller aus Südkorea mit Hauptfabrik in Indonesien sich eine Beteiligung in Höhe von 1.700.000 Aktien an der Steinway-Holding SMI gesichert hatte. Zwölf Monate nach der Lehmann-Pleite und dem Platzen der Immobilienblase in den USA, war Steinway so geschwächt, das zusätzliches Kapital schnell gefunden werden mußte. Die Steinway-Aktie war im Keller, genauso wie die Verkaufszahlen in USA und West-Europa. Die Klavierbranche war insgesamt in einer sehr schlechten Verfassung. Seiler, Schimmel und Rönisch hatten in den Monaten zuvor bereits Insolvenz angemeldet. Ibach hatte aus freien Stücke bereits Ende 2007 den Betrieb komplett eingestellt, allerdings ohne dass Gläubiger Federn lassen mußten.




Samick, gegründet 1958 in Korea, war zu diesem Zeitpunkt ein direkter Konkurrent von Steinway. Mit den eigenen Marken stand man im starken Wettbewerb zu den Essex und Boston Instrumenten. Daruber hinaus hatte Samick kurz zuvor bereits Seiler in Kitzingen komplett übernommen. Ursula Seiler mußte nach der Insolvenz aus dem Unternehmen austreten. Samick hatte die Firma gerettet und übernahm das Kommando. Mit dieser Übernahme kam Samick dem lang ersehnten Ziel näher, endlich in die Premium-Klasse einzudringen. Bereits Jahre zuvor hatten Bechstein und Samick eine strategische Zusammenarbeit beschlossen, die allerding gar nicht funktionierte. Nach wenige Jahren trennten sich Karl Schulze und Jong-Sup Kim wieder. Auch der Versuch von Samick mit der Pramberger-Marke in die US-amerikanische Premium-Klasse einzudringen, war zuvor schon gescheitert. Die Samick-SMI Vereinbarung sah weiter vor, dass Samick sofort einen Direktor im Vorstand der Steinway-Holding  stellen würde. Weiterhin wurde Samick eine Kaufoption auf weitere 1.700.000 Aktien bis zum 31. März 2010 eingeräumt. Dabei wurde auch bekannt, dass Samick schon vorher 200.000 Aktien von Steinway Musical Instrument hielt.

Jong-Sup Kim

Selbstverständlich übte Samick die Kaufoption aus und wurde am 31.03.2010 zum Hauptaktionär von Steinway. Insgesamt hatte man nun 3.600.000 Aktien an dem Traditionsunternehmen. Das entsprach 33 % vom Kapital. Damit war Samick größter Anteilseigner. Gar nicht zufrieden mit dieser Meldung waren zuerst einmal Kawai und Pearl River, Hersteller der Zweit- und Drittmarke Boston und Essex. Es war schon klar abzusehen, dass irgendwann Samick diese Billig-Instrumente doch selber in dem eigenen indonesischen Werk bauen würde. Warum sollte man Produktionsaufträge an die Konkurrenz abgeben, wenn man selbst über genügend Kapazität verfügt? Eine andere überlegenswerte Option wäre, diese wenig erfolgeichen Marken einfach einzustampfen, denn für das untere Essex-Segment könnte man einfach die Samick-Marke forcieren und das mittlere Boston-Segment mit Seiler abdecken.


Die Samick-Fabrik in Indonesien

In den folgenden Monaten wuchs der Einfluß von Samick unaufhörlich. Als nächstes wurde im Juli 2011 bekannt, dass die altgediente Führungsriege um Dana Messina, Kyle Kirkland, John Stoner und anderen nicht genannten Managern, die Band-Division Conn-Selmer aus dem Konzern herauskaufen wollte.  Gleichzeitig wurde der Chairman, Kyle Kirkland abgelöst. Er war seit 1995 in dieser Position. Neuer Chairman wurde Michael Sweeney, der vom Fastfood- und Kaffeeanbieter Starbucks UK kam. Das Stühlerücken ging unvermindert weiter. Am 24. Oktober 2011 gab Dana Messina auf. Der langjährige CEO, Miteigentümer und Gestalter der Steinway-Gruppe gab seinen Rücktritt bekannt. Er wolle die Conn. Selmer-Division aus SMI zurückkaufen und sie weiterhin führen. Seine Firma Conn-Selmer hatte 1995 Steinway & Sons von den Birmingham Brüder gekauft und die neue Gruppe anschließend zur Steinway Musical Instruments - SMI umfirmiert. Michael Sweeney, der frischgebackene SMI-Chairman wurde zusätzlich Interims-CEO. Mittlerweile waren mit Jong-Sup Kim, Edward Kim, Joon W. Kim und Don Kwoon vier Koreaner in dem Vorstand. Drei davon Miteigentümer vom Hauptaktionär Samick.


Die Absicht von Samick, sich nur das Klavierunternehmen Steinway & Sons einzuverleiben wurde endgültig bestätigt als SMI am 20. Januar bekannt gab, dass man die Band-Division Conn-Selmer an Dana Messina und John Stoner verkaufen wolle. Samick würde sogar den scheidenden Direktoren das Geld für den Kauf vorstrecken. Wenn diese Transaktion abgeschlossen ist, dann wird die Steinway-Gruppe nur noch aus Steinway & Sons bestehen. Dabei wird sich erstmal der Umsatz halbieren, da die Band Division Conn-Selmer für knapp die Hälfte der Einnahmen zuständig war. Das ist aber für die Kim-Familie leicht zu verschmerzen. Man setzt mit den eigenen Samick-Produkten und -Marken ein vielfaches von dem gesamten SMI-Umsatz um. Es bleibt abzuwarten, was Samick und Jong-Sup Kim mit Steinway & Sons genau vor haben und welche Veränderungen noch bekannt werden.


Siehe auch dazu:
Die Hauptaktionäre von Steinway Musical Instruments und Gehälter der Direktoren
Wettbewerb-Behörde ermittelt gegen Steinway & Sons - Verdacht der illegalen Preisabsprache und Manipulation
Steinway will Steinway Hall in Manhattan verkaufen 
Verkauf von Steinway Pianos rückläufig im 3. Quartal 2012 
Schlechtes Geschäft für Steinway & Sons im 2. Quartal 2012 
Samick verstärkt seinen Einfluß bei Steinway