Bundesverband Klavier schafft neues Qualitätssiegel

Am 23. August 1887 beschloss das englische Parlament den Merchandise Marks Act 1887, nachdem auf allen eingeführten Produkten unmissverständlich das Herkunftsland angegeben sein musste. Hierdurch sollte die heimische (britische) Industrie, vor vermeintlich minderwertigen Nachahmerprodukten geschützt werden. Doch die zunehmend hohe Qualität der Produkte, die in Deutschland hergestellt wurden, bewirkte das Gegenteil. Die negativ gedachte Warenkennzeichnung „Made in Germany“ wurde zum Gütesiegel für Deutsche Produkte.

„„Made in Germany“ als Gütesiegel, das gilt auch und gerade für die Klavierindustrie“, so Burkhard Stein, Vorstandsvorsitzender des BVK e. V.. „Von den über 300 weltweit in der Klavierindustrie tätigen Firmen behaupten 95 %, dass ihre Produkte in Deutschland hergestellt werden. Dabei gibt es gerade einmal 13 Firmen, die noch in Deutschland hochwertige Klaviere und Flügel herstellen.“ Diese deutschen Unternehmen zeichnen sich durch einen hohen Handarbeitsanteil, Jahrhunderte lange Erfahrung und Tradition, gelungenes Design, Prestige und vor allem hervorragende Klang- und Spielqualität der von ihnen hergestellten Instrumente aus. Dies macht den Slogan „Made in Germany“ so begehrenswert für Klavierhersteller weltweit und verleitet sie dazu, die abenteuerlichsten Geschichten zu erzählen, nur um den Kunden in die Irre zu führen und zu suggerieren, dass er sich für ein in Deutschland gefertigtes Instrument entscheidet, obwohl dies nicht so ist.

„Um für die potenziellen Kunden hochwertiger Klaviere und Flügel mehr Sicherheit zu schaffen, hat der BVK e. V. nun, während der Musikmesse in Shanghai, sein neues Zertifikat „Made in Germany“ vorgestellt“ so Stein weiter. Dieses Zertifikat soll die tatsächlich zu 100 % in Deutschland hergestellten Instrumente von denen abgrenzen, die nicht in Deutschland hergestellt wurden, obwohl dies behauptet wird. Nur bei einem Instrument einer zertifizierten Marke können sich die Kunden sicher sein, dass es auch wirklich zu 100 % in Deutschland gebaut wurde. Dies wird das Vertrauen potenzieller Kunden stärken und den Absatz deutscher Hersteller ankurbeln, ist Stein überzeugt.

Um dieses Zertifikat zu erhalten, sind verschiedene Voraussetzungen zu erfüllen. Zum einen muss die Firma, die sich um das Zertifikat bewirbt, Mitglied im BVK e. V. sein. Außerdem müssen die wesentlichen Herstellungsschritte bei den Instrumenten der betreffenden Marke in Deutschland erfolgen. Hierzu gehören insbesondere Arbeiten wie das Aufleimen des Resonanzbodens auf die Raste, das Aufpassen der Gussplatte, das Aufziehen der Saiten, das Umleimen des Gehäuses um das Instrument, der Aufbau und die Einregulierung des Spielwerkes (Mechanik und Klaviatur) sowie das Stimmen und Intonieren der Instrumente. 
Jede BVK - Mitgliedsfirma, die das Zertifikat „Made in Germany“ führen möchte, muss dieses beim Vorstand des Verbandes beantragen. Sodann erfolgt eine Überprüfung der zuvor benannten Kriterien und im Anschluss kann ein auf zwei Jahre befristetes Zertifikat verliehen werden. Darüber hinaus ist der zertifizierte Hersteller berechtigt, die neue Kennzeichnung auf seine Instrumente zu bringen und in seinen Werbemitteln abzudrucken.

Um das Zertifikat noch sicherer zu machen, gibt es in einzelnen Ländern, so wie z. B. in China, eine Kooperation mit den deutschen Außenhandelskammern. So führt die deutsche Außenhandelskammer in China die zertifizierten Firmen auf ihrer Homepage, um Fälschungen vorzubeugen. Daher befindet sich auf dem Zertifikat „Made in Germany“ neben dem Verbandslogo des BVK e. V. auch das Logo der deutschen Außenhandelskammer. Alles in allem ist Burkhard Stein davon überzeugt, dass dieses neue Zertifikat mehr Sicherheit und Klarheit für die Kunden bringt und letztlich der deutschen Klavierindustrie hilft, sich gegen die Billigkonkurrenz, vor allem aus Fernost, durchzusetzen.