Schimmel Pianos nach Insolvenz erholt

Es war damals, im März 2010, denkbar knapp. Bis zur letzten Minute mussten die 125 Mitarbeiter und ihre Familien zittern. dann kam die erlösende Nachricht: Schimmel verlässt die Insolvenz und bleibt in Familienhand. Allerdings musste jeder eine Menge Federn lassen. Allen voran die Gläubiger, Zulieferer und Beschäftigten, die einem Sondertarifvertrag mit harten Auflagen zustimmen mußten. Die Gesellschafter mussten auch ihre Einlagen erhöhen. Miteigentümer Yamaha seit den 1970er Jahren an dem Braunschweiger Klavierfabrikant mit 24,99% beteiligt, ging endgültig von Bord. Das führende Unternehmen aus Hamamatsu hatte genug und wollte kein weiteres Geld zuschiessen. Es fand sich auch kein Käufer und so haben die Familieneingtümer noch einmal in die Schatulle gefasst und die Geldmittel für eine Fortführung des Betriebes locker gemacht.





Die Weltwirtschaftkrise im Zuge der Lehmann-Pleite hatte die Klavierindustrie schwer erschüttert. Vielen Unternehmen wankten. Kurzarbeit und Entlassungen waren überall an der Tagesordnung. Die Verkaufszahlen brachen 2009 und 2010 dramatisch ein. Nun blickt Schimmel etwas optimistischer in die Zukunft. Der Verkauf hat sich, wenn auch auf niedrigerem Niveau, einigermaßen stabilisiert. Wachstumsmärkte wie Russland, China und einige asiatische Länder kompensieren teilweise die herben Rückgänge aus USA, England, Frankreich und aus den südeuropäischen Krisenländer Spanien, Italien, Griechenland und Portugal. Eine neue Modell-Palette soll Schwung in den Fachhandel bringen. Das Braunschweiger Unternehmen, das auch Billigklaviere aus China unter dem etwas irreführenden Namen "May Berlin" und aus Polen unter den Namen "Vogel" anbietet, will jetzt sogar wieder Personal in Deutschland einstellen und sucht händeringend nach qualifizierten Klavierbauer, damit die nun angewachsenen Lieferzeiten etwas verkürzt werden.



Es wäre für die europäische Piano-Branche sicherlich nicht gut, wenn das Sterben in der deutschen Klavierindustrie weiter ginge. Die arg gerupfte Klavierbranche zählt in Deutschland nur noch 14 Hersteller. Das ist weniger als ein Hersteller je Bundesland. Vor hundert Jahren gab es im Deutschen Reich mehr als 700 Klavier-Manufakturen.